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SOULBROTHER MIT AMBITIONEN
ZUSAMMENARBEIT MIT CURSE KONNTE ER AUCH IM DEUTSCHEN MARKT FUSS FASSEN. DIES IST BESTIMMT ERST DER ANFANG.
CLAUD IST NICHT NUR DER PRODUZENT HINTER SEKTION KUCHIKÄSCHTLI, SONDERN AUCHEINER DER BESTEN UND ERFOLGREICHSTEN BEATLIEFERANTEN UNSERES LANDES. DURCH DIE
Es ist ein sonniger, aber kühler Tag Anfangs November, als ich mich mit Claud in St. Gallen treffe. In rund einem Monat wird das vermutlich letzte Sektion-Kuchikäschtli-Album «Affatanz» veröffentlicht. Zu meinem Erstaunen erzählt mir Claud, dass sie noch mitten in der Produktion stecken, und noch keiner der Songs fertig ist. Gestresst wirkt der 26-Jährige deswegen nicht: im Gegenteil, er geniesst diese Herangehensweise. Auch von Erfolgsdruck will er nichts wissen – ebenfalls nicht selbst-verständlich, wenn man bedenkt, dass der Vorgänger «Nur so am Rand» 25'000 Exemplare abgesetzt hat. Damit ist es das erfolgreichste Mundart-Rap-Album überhaupt. «Erfolgsdruck hat es eigentlich noch nie gegeben bei uns. Es ist mit jedem Künstler, mit dem ich arbeite, anders. Wenn ich aber mit Rennie Musik mache, haben wir nie Erfolg oder Verkaufszahlen im Hinterkopf.» Das Musik machen hatte er hingegen schon immer im Hinter-kopf. Mit zarten 13 Jahren machte er seine ersten Versuche. 1994 legte er sich einen Sampler zu. Dessen Möglichkeiten wurden bis aufs Letzte ausgenutzt, ehe Claud 1996 auf den Computer umstieg und den seiner Meinung nach ersten profes-sionellen Beat produzierte. Bis zur ersten Veröffentlichung auf der Kuchikäschtli-Maxi «Lampafieber» sollten noch weitere vier Jahre verstreichen. Zu den beiden Bündnern war Claud durch deren Manager Manh gekommen, der sehr angetan war von Clauds Produktionen. Manh sollte dann eine sehr entschei-dende Rolle für die weitere Karriere von Claud spielen. «Eine entscheidende Weiche wurde gestellt, als ich die Matura abgeschlossen habe. Eigentlich hätte ich arbeiten und Geld verdienen sollen, um damit die Eltern zufrieden zu stellen.» Manh wollte aber unbedingt, dass Claud für das erste Kuchikäschtli-Album produziert. So organisierte er etwas Geld im Voraus: Claud hatte nun seinen Praktikumslohn, und Kuchikäschtli eine Hand voll Beats für «Dorfgschichta». «Nur so am Rand» wurde ein riesiger Erfolg, und die Beats von Claud immer begehrter. Bandintern war dies aber nie ein Problem: «Wir waren nie eine Band, die jede Woche zusam-men im Bandraum ist und probt. Bei uns ist es so: Rennie hat seine Texte, ich meine Beats, und so machen wir zusammen Musik.» Sein Talent blieb auch ausserhalb der Landesgrenzen nicht verborgen, was zu einer intensiven Zusammenarbeit mit dem deutschen Ausnahmerapper Curse führte. Daraus resul-tierten bislang das «Prestige»-Album mit Greis und Taz sowie zahlreiche Beats für das letzte Curse-Album «Sinnflut». Auch auf der geschäftlichen Ebene arbeiten die beiden zusammen: Curse nahm Claud unter Vertrag und kümmert sich nun um dessen Interessen in Deutschland. Abgesehen davon, dass es für Claud schon immer ein Traum war, mit Curse zu arbeiten, lohnt es sich für den Schweizer auch finanziell: «Im Vergleich zu der Schweiz kann man natürlich viel mehr Geld mit Musik verdienen in Deutschland.» Deswegen kehrt er der Schweiz aber nicht den Rücken zu. Für Gimma massschneiderte er die Single «Iisziit» und für Taz produzierte er fast die komplette Platte. Durch die Aufträge in der Schweiz fehlte ihm oft die Zeit, um in Deutschland mit mehr Künstlern zu arbeiten. An Anfragen hätte es nicht gemangelt. Seine Beats wahllos zu verteilen ist aber sowieso nicht das Ziel von Claud. Er will mit den Künstlern direkt arbeiten und auf die Songs Einfluss nehmen. Nächstes Jahr aber steht unser Nachbarland wieder auf dem Programm. Und auch im Hip-Hop-Mutterland USA versucht er Fuss zu fassen. Ziele hat er auch sonst viele. Vermehrt möchte er sich der Soul-Musik widmen und allgemein beweisen, dass er nicht auf einen Stil einzuschränken ist. Auf seiner Festplatte schlummern viel mehr Stile, als die Öffentlichkeit bislang wahrgenommen hat. Auch für Werbungen arbeitete er bereits, und da er Gefallen daran gefunden hat, Bilder zu vertonen, ist Filmmusik ebenfalls eines seiner Fernziele. Für den Moment steht aber das Sektion-Kuchikäschtli-Album im Vordergrund. Rapper Rennie verlässt die Schweiz im Januar für längere Zeit. Somit wird es keine Tour geben, weshalb Claud auch nicht mit ähnlichen Verkaufszahlen wie beim Vorgänger rechnet. Da sich Kuchikäschtli aber nicht an Verkäufen, sondern an Qualität messen, dürften sie ihr Ziel erreichen. Die ersten Arbeitsversionen, die ich zu Gehör bekomme, unterstreichen dies deutlich. Inhaltlich ist «Affatanz» frecher und überzeugt mit witzigen Geschichten und positiven Inhalten. Die Produktionen von Claud zeigen seinen Drang nach stetiger Weiterentwicklung. Dabei achtet er oftmals auf Details, die dem durchschnittlichen Musikkonsumenten überhaupt nicht auffallen. Dies ist mitunter ein Grund, wieso er sich vom Durchschnitt deutlich abhebt, und auch zukünftig seinen Weg bestimmt erfolgreich weiter gehen wird.
VON FABIAN MERLO / HIPHOP.CH
Mehr Infos:
www.myspace.com/swissclaud |
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